Ein Schwarm sind wir

Der Titel dieser besonderen, einmaligen Lesereihe in der INSELGALERIE ist eine Gedichtzeile des Lyrikers ŞafakSarıçiçek.
Es ist die erste Zeile seines Gedichts: Mnemosyne. Mnemosyne ist in der griechischen Mythologie die Muse oder Göttin der Erinnerung.
Um die Notwendigkeit des Erinnerns geht es in den Texten dieses Autor:innen-Schwarms, den wir im letzten Viertel des Jahres 2021 willkommen heißen.
Eintritt: 5 Euro/ermäßigt 3 Euro | Anmeldungen bitte unter: schwarm@inselgalerie-berlin.de

24.9.2021, Freitag, 19 Uhr
Karosh Taha
„Im Bauch der Königin“

KAROSH TAHA


Dumont, 2020

Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo/Irak geboren.
Seit 1997 lebt sie im Ruhrgebiet.
Ihr Debütroman ›Beschreibung einer Krabbenwanderung‹ erschien 2018 bei DuMont. In der INSELGALERIE liest sie aus ihrem zweiten Roman „Im Bauch der Königin“, ebenfalls 2020 bei DuMont erschienen. Karosh Taha erhielt für ihr Werk bereits zahlreiche Stipendien und Preise, darunter das Stipendium Deutscher Literaturfonds, den Hohenemser Literaturpreis und die Alfred-Döblin-Medaille.

Karosh Taha ist ihren jugendlichen Held*innen Amal, Raffiq und Younes ganz nahe. Nicht ohne Humor, in einem leichten, sinnlichen Sound, erzählt sie von schwierigen Startbedingungen in einem von Migrant*innen bewohnten Viertel. Im Mittelpunkt steht Shahira, die sich weder um Konventionen noch um Moral schert, die an Geburtstagen Geschichten verschenkt, und deren Name an Shahrasad erinnert, die große Erzählerin aus Tausend und einer Nacht, die „einen blutrünstigen König mit Geschichten stillen kann. Shahrasa – das h in der Mitte wird ausgeatmet. Das s summt in den Ohren, summt das Gegenüber wach.“

19.10.2021, Dienstag, 19 Uhr
Matthias Jügler
„Die Verlassenen“

Matthias Jügler


Penguin Verlag, 2020

Matthias Jügler erzählt eine fiktive Stasi-Geschichte, die inspiriert ist von einer wirklichen.
Johannes hat als Kind beide Eltern verloren. Die Einsamkeit des kleinen Jungen ist überwältigend. Sie bleibt bedrückend, als er längst erwachsen ist. Eines Tages findet er in den Hinterlassenschaften seines Vaters einen Brief aus Norwegen…
Matthias Jüglers Roman dreht sich um die Fragen nach Schuld und Vergebung und zeigt, wie die Gewalt der Stasi-Überwachung noch das Leben der folgenden Generation prägt.

Matthias Jügler wurde 1984 in Halle geboren. Er studierte Skandinavistik in Greifswald und Oslo und Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Leipzig. Sein Debütrom „Raubfischen“ erschien 2015 im Verlag Blumenbar. Jügler gab die Anthologien „Wie wir leben wollen. Texte für Solidarität und Freiheit“ (Suhrkamp 2016) und „WIR. GESTERN. HEUTE. HIER“ (Piper, 2020) heraus. Mit einem Arbeitsstipendium der Kunststiftung Sachsen-Anhalt schrieb er „Die Verlassenen“. Der Roman erschien 2020 im Penguin-Verlag.

26.10.2021, Dienstag, 19 Uhr
Şafak Sarıçiçek
„Im Sandmoor ein Android“

Safak Saricicek


Quintus Verlag, 2021

Şafak Sarıçiçek wurde 1992 in Istanbul geboren. An der Deutschen Schule in Istanbul legte er sein Abitur ab. Danach studierte er Jura in Heidelberg und Kopenhagen. Heute lebt er in Heidelberg. Im Sommer 2021 erhielt er den Preis der Heidelberger Autor:innen.
Geschrieben hat Şafak Sarıçiçek schon als Schüler. Die Lyrik wurde während des Jura-Studiums in Heidelberg ein Schwerpunkt seines Schreibens. 2017 veröffentlichte er einen ersten Gedichtband. „Spurensuche“ ist im Elif Verlag erschienen. „Im Sandmoor ein Android“ erschien 2021 im Quintus-Verlag Berlin.„Ich muss schreiben“, sagt Şafak Sarıçiçek. „Es ist existentiell.“ Seine literarischen Vorbilder sind zahlreich. Doch nächste Verwandte sind die französischen Surrealisten Robert Desnos und René Char. Wie seine Vorbilder arbeitet Sarıçiçek an der Befreiung der Sprache. Indem er den gewöhnlichen Sinn der Worte loslässt, legt er deren Essenz frei. Bilder kommen und gehen, ziehen ihre Spuren, bevor sie wieder zerfallen. Oder bleiben.

Die erste Zeile seines Gedichts „Mnemosyne“: Ein Schwarm sind wir, wählten wir zum Titel dieser Lesereihe.

28.10.2021, Donnerstag, 19 Uhr
Yewgenia Belorusets
„Glückliche Fälle“

Yevgenia Belorusets


Matthes und Seitz, 2019

Gespräche und Begegnungen sind das Material, mit dem Yevgenia Belorusets in einer eindringlichen Sprache und mit fotografischem Blick das Bild eines Landes einfängt, in dem Krieg herrscht und die unverwüstliche Alltagsroutine zur Groteske verkommt.
Die Realität des seit Jahren in der Ostukraine schwelenden Kriegs sickert langsam, aber stetig in das Leben der Menschen, an dem uns Belorusets’ in teils hyperrealistisch detaillierten, teils traumartigen und oft absurden Szenen teilhaben lässt.

Yevgenia Belorusets, geboren 1980, ist Fotografin, Künstlerin und Schriftstellerin. Sie lebt abwechselnd in Kiew und Berlin und beschäftigt sich mit den Schnittstellen von Kunst, Medien und Gesellschaft. Belorusets engagiert sich in einer Reihe kultureller und politischer Initiativen.

Quelle: Matthes & Seitz

9.11.2021, Dienstag, 19 Uhr
Asal Dardan
„Betrachtungen einer Barbarin“

Asal Dardan


Hoffmann und Campe Verlag, 2020

Asal Dardan wurde 1978 in Teheran geboren. Als sie ein Jahr alt war, verließen ihre Eltern das Land. Sie wuchs in Köln, Bonn und Aberdeen auf. Asal Dardan studierte Kulturwissenschaften und Nahoststudien. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Berlin und schreibt u.a. für Zeit online, die FAZ und die Berliner Zeitung. Ihr 2020 bei Hoffmann & Campe erschienenes Buch „Betrachtungen einer Barbarin“ war für den Sachbuchpreis 2021 nominiert.

Asal Dardan erzählt von Begegnungen und eigenen Erlebnissen, und setzt ihre Beobachtungen in ein Mosaik des Nachdenkens über den Zustand der Welt und der Gesellschaft. Es geht ihr um Machtverhältnisse und daraus resultierende Diskriminierungen, um das fremd sein und fremd gemacht werden. Ihre berührenden Essays gehen dahin, wo es weh tut, zu den Kränkungen in einer Welt der Teilung und Ausgrenzung.

Die Lesereihe: Ein Schwarm sind wir* wird durch den Deutschen Literaturfonds aus Mitteln von Neustart Kultur finanziert.
Den Büchertisch stellt die Friedrichshainer Buchhandlung lesen und lesen lassen.

Bitte beachten sie, das ab 23. August auch für Berlin der Zugang zu öffentlichen Veranstaltungen nur noch für vollständig Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete zulässig ist. Halten sie dafür bitte ihren Nachweis bereit!