16.9.-29.10.2022  |  Vernissage: 15.9.2022, Donnerstag, 19 – 22 Uhr  |  Finissage: 29.10.2022, Samstag, 14 – 16 Uhr

http://malerinnennetzwerk.com/

Die Ereignisse seit dem Frühjahr 2020 veranlassten uns, in den letzten zwei Ausstellung des Jahres 2022 den inhaltlichen Schwerpunkt auf die aktuellen globalen Krisen-Situationen zu legen: Corona, Krieg, Klima. Dabei suchen wir keine Auseinandersetzung mit deren konkreten Erscheinungen. Vielmehr beschäftigt uns, wie sich dieser angespannte Zustand auf einzelne Künstlerinnen und ihr gegenwärtiges Schaffen auswirkt. Unser Lebensumfeld verändert sich gerade tiefgreifend, stellt bisherige Sicherheiten in Frage und wirkt auf viele Menschen existentiell bedrohlich.

Wir planten deshalb zwei Ausstellungen zum Thema außer sich – inner ich. Die erste dieser Ausstellungen wird am 15. September mit 12 von uns eingeladenen Künstlerinnen des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig e. V. (MNW) eröffnet.

Die Berliner Künstlerin Kathrin Landa, Initiatorin des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig, luden wir 2020 zu unserem Symposium anlässlich des 25jährigen Bestehens der INSELGALERIE Berlin ein. In ihrem Vortrag stellte sie die Ziele und umfangreichen Aktivitäten der knapp 30 Akteurinnen des MNW vor. Bereits damals besprachen wir eine mögliche Ausstellung mit Malerinnen des MNW, die wir jetzt unserem Berliner Publikum präsentieren.

FRANZISKA GÜTTLER

*1978 in Dresden,
lebt und arbeitet in Leipzig.
1998-2000 Studium der Freien Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Diplom bei Volker Pfüller, hier auch
2008 Meisterschülerin bei Ralf Kerbach
2004 Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen

Was mich schon vor Corona interessiert hat, habe ich während der letzten zwei Jahre weiterverfolgt und vertieft, Tendenzen wurden womöglich verstärkt.
Form und Inhalt haben sich immer weiter aufgelöst so wie die Welt ringsherum. Lose Leinwände, lose Striche, lose Papiere, lose Schatten hätte ich wohl auch ohne externe Ausnahmesituation erforscht, so war mein künstlerischer Prozess wie eine Vorwegnahme.

NINA K. JURK

Geboren in Dresden.
1993-1998 Studium der Malerei, HGB Leipzig, bei Prof. Arno Rink, anschließend bis 2001 bei ihm als Meisterschülerin.
Seit 2002 freiberuflich als Künstlerin tätig.
2015 Gründungsmitglied des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig (MNW) und Mitinitiatorin des Künstlerinnen Netzwerks Leipzig (KNw Leipzig – Das Netzwerk von und für Künstlerinnen in Leipzig).
Zahlreiche Ausstellungen und Stipendien.

Plötzlich wurde es eng – die Wege nach draußen beschnitten – der Radius der Bewegung immer kleiner. Der Himmel blieb über allem und versprach Weite und Unendlichkeit. Ich holte den Himmel vom Himmel in die Enge.
Was ich auch begann, es wurden Himmelsstücke. Mit den Himmeln kehrte Weite in mich zurück und Stille.
Keine Totenstille – sondern eine Stille, in der Wachstum und Veränderung möglich wird.
Aus dem Tagebuch 2021

TOBIA KÖNIG

*1986 geboren in Leipzig, lebt und arbeitet hier.
Erste akademische Erfahrungen 2007-2011 beim Studium der Politikwissenschaften in Frankreich mit Bachelor Sozialwissenschaften, Sciences Po Paris.
2018 Abschluss des Studiums an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Seit 2019 Mitglied des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig. Ölmalerei und Ölkreidezeichnungen bestimmen ihr Werk, wobei die Risographie in Form künstlerischer Druckgrafik immer wieder ins Zentrum ihres Schaffens rückt.

Die Arbeiten sind 2021 entstanden. Das kleine Format begleitet mich seit Beginn der Pandemie, in seiner Beherrschbarkeit verschafft es eine innere Sicherheit, die das Außen nicht geben konnte. Das Format selbst bleibt die Begrenzung, in der sich die Figuren nur unter widrigen Umständen entfalten.
Als Zusatz habe ich die zwei Arbeiten von 2022 hinzugefügt, die im klassischen Sinne das Thema „Außer sich“ verkörpern.

Am Anfang jeder Arbeit steht eine Linie auf dem Papier, die Flächen aufteilt in Innen und Außen, die Formen definiert, Körper bildet und Landschaften andeutet. Die Frage nach der Identität der Figuren begleitet mich, denn mit ihr stellt sich die Bedeutung von gesellschaftlichen Sehgewohnheiten und Hierarchien.

MARIANNA KRUEGER

Lebt und arbeitet seit 2006 in Berlin.
1994-1999 Studium Malerei und Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink.
1998 ein Trimester Studienaufenthalt mit Sokratesstipendium an der University of the West of England in Bristol.
2000 – 2003 Meisterschülerin bei Astrid Klein an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
2000-2002 Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung.
2003-2006 Leben und Arbeit in Leipzig und London. Zahlreiche Ausstellungen.

Die Stille und der Rückzug der vergangenen zwei Jahre haben in mir die Sehnsucht aufkommen lassen, die Farbe an sich zu ergründen. Entgegen meinen bisherigen figürlichen Malereien habe ich in den vergangenen zwei Jahren kleinformatige Arbeiten entwickelt. Die Werke zeichnen sich durch einen ätherischen Auftrag unterschiedlicher Farbschichten aus, die in ihrer Abstraktion und Überlagerung gleichsam kompositorische Intensität und Körperlichkeit ergründen. In meinen sogenannten »Aspik«-Bildern transferiere ich den Prozess der Farbschichtung über das Medium des Epoxidharzes in eine neue, physisch greifbare dritte Dimension.
In einem spannungsvollen Wechselspiel von Farbintensität und Leuchtkraft gelang mir eine Hinwendung zu einer zauberhaften motivischen Reduktion. Kunstgeschichtliche Zitate der Farb- und Formästhetik eines Josef Albers oder Piet Mondrians, Motive aus den 70er Jahren sowie Bezüge zu Farbcodes der Digitalen Medien werden neu interpretiert und oszillierend in der transparenten Masse des Aspik so zu fossilen Fundstücken zeitgenössischer Kunst. In Schichten sortiert und scheinbar entschlüsselbar, bleibt der kreative Prozess in Gänze dennoch verborgen.

KATHRIN LANDA

*1980. Lebt und arbeitet in Berlin.
2000-2002 Studium Malerei/Grafik bei Prof. Friedemann Hahn an der Akademie der Bildenden Künste Mainz sowie 2005 an der Ecole Nationale des Beaux Arts de Lyon.
2002-2006 Studium und Diplom der Malerei/Grafik bei Sighard Gille, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sowie 2006-2009 Meisterschülerstudium bei Annette Schröter, daselbst.
2008-2011 wissenschaftlich-künstlerische Hilfskraft für Malerei/Grafik, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
2015-2019 Initiatorin und Vorsitzende des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig (MNW).
2019 Gründerin des WomenPaintersRoom (WPR) sowie Mitglied des Aambulanz Kollektivs. Dozenturen, Lehraufträge, zahlreiche Ausstellungen und Preise.

Kathrin Landas Portraits gehen unter die Haut, sie zeigen uns mehr als wir sehen und sie künden von einer sehr intensiven Auseinandersetzung der Malerin mit ihrem Modell. Landas Gesichter sind außergewöhnlich, wir bleiben unweigerlich an ihnen haften und reagieren empathisch auf die Bilder der Dargestellten. Oft erfolgt der erste Blickkontakt über deren meisterhaft ausgeführte Augen. In ihrer Malerei fordert die aus Ravensburg stammende und in Berlin lebende Malerin den Schönheits-Kanon des beginnenden 21. Jahrhunderts heraus, der oft genug in banalen „likes“ und „castings“ endet.

Andrea Dreher

VERENA LANDAU

*1965 in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Leipzig.
1990-1993 Ausbildung und Lehrtätigkeit in historischen Maltechniken im Atelier »Charles Cecil Studios«, Florenz, Italien.
1994-1999 Studium der   Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Arno Rink, Neo Rauch und Wolfram Ebersbach.
Seit 2008 künstlerische Mitarbeiterin am Institut für Kunstpädagogik der Universität Leipzig. Leitet Kurse an der Kunstakademie Bad Reichenhall.
Seit 2017 Dozentin der internationalen Kunst-Meisterklassen, Beijing Universal Music & Culture Development Co. Ltd., China. Ausstellungen im In- und Ausland sowie Stipendien.

Meist gehe ich von einem Raumkonzept aus und konstruiere meine Bilder collageartig aus Versatzstücken eigener Fotos oder Filmstills, auch bei diesem Bild, das ich »Schweigeminute« nenne, verhält es sich nicht anders. Was neu ist, ist aber, dass ich die Idee nicht nur umsetze, sondern das seltsam befreiende Gefühl, dass ich male…
Tagebuchnotiz 2020

GUDRUN PETERSDORFF

*1955 in Ludwigslust.
Lebt und arbeitet freiberuflich in Leipzig.
1976-1981 Malereistudium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Bernhard Heisig.
1989-1992 Meisterschülerin an der Akademie der Künste zu Berlin bei Werner Stötzer und Dieter Goltzsche.
1999-2000 freie Arbeit an der Porzellanmanufaktur Meißen.
1999-2005 Dozentin für Malerei, Zeichnen und Komposition im Grundstudium Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
Zahlreiche Preise, Stipendien und Ausstellungen, Teilnahmen an Symposien

In der Corona-Zeit ab Mitte März bis Mitte Juni 2020 bemerkte ich durch meine Erkundungen in Leipzig und Umgebung, dass viele Menschen verstärkt das Rückzugsgebiet „Garten“ oder „Kleingarten“ nutzten, um dort wenigstens ein Stück Natur ungestört genießen und sich betätigen zu können. Ich knüpfte an das schon früher von mir verfolgte Thema an und begann, Zeichnungen vor Ort anzufertigen. So entstand auch noch das Gemälde „Kleingarten im Frühling“.

ANNKATHRIN SCHAFFNER

Lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Berlin.
Studium Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) bei Friedrich Einhoff und Freie Kunst bei Günter Weseler.
Ab 1992 Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) bei Rosa von Praunheim und Béla Tarr.
Arbeit als Regisseurin, Kamerafrau und Fotografin.
Filme auf zahlreichen Festivals.
Malt seit 2014 ausschließlich.

“On the run“ entstand im Jahr des ersten Corona lock down. Wenn ich heute im Rahmen des Ausstellungskonzeptes „außer sich“ auf diese Zeit zurückblicke, sehe ich in dem Bild meinen Wunsch, frei zu sein, den Zwängen zu entkommen und im Wald zu unterzutauchen – bis der ganze Wahnsinn vorbei ist.

ANIJA SEEDLER

*1974, lebt in Leipzig, Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei.
1993-1997 Studium an der Fachhochschule für Angewandte Kunst Schneeberg,
2001-2003 im Masterstudiengang an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Volker Pfüller.
Arbeitet an den Schnittstellen von visueller und szenischer Kunst: u. a. Bühnenbilder für Theaterproduktionen in Deutschland, Italien und Frankreich.
Seit 2007 für das Theater konzipierte Künstlerbücher.
Nationale und internationale Ausstellungen, zahlreiche Stipendien und Preise.

In den ungewissen Zeiten der Pandemie ergab sich die nötige Ruhe, um Gewohntes aufzubrechen. Das Arbeiten auf Papier wich 2019/20 der Malerei auf dünnem papierähnlichen Leinenmaterial, womit ich mich ausdauernd inhaltlich korrespondierenden Themen widmen konnte. Die Bilder der Serie Interieur oder Voodoo 2020-22 wurden eine leidenschaftliche Erforschung der Nähe im Schatten eines ideengetriebenen unbefriedigten Reisefiebers. Gesten, Stimmen, Masken, Ornamente, mythische Tiere – fixiert noch bevor sie sichtbar wurden. Im Schaffensprozess entwickelte sich eine Dynamik des Abtauchens, Erinnerns und Archivierens an der Grenze zum magischen Denken, die eine Innerlichkeit im Außer-sich-Sein erfindet, welche es ohne die verordnete Stille nicht hätte geben können.

BETTINA SELLMANN

*1971 in München, lebt und arbeitet in Berlin.
2002 Studium am Hunter College, New York City, USA (Master of Fine Arts),
1998-2009 lebt in New York City and Brooklyn, New York.
Studium 1995 an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris, Frankreich und
1992-1997 an der Städelschule Frankfurt am Main bei Jörg Immendorff, Christa Näher und Thomas Bayrle, bei diesem Meisterschülerin.
Zahlreiche Ausstellungen, Stipendien und Residenzen.

Alle Erscheinungen der empirisch wahrnehmbaren Welt entpuppen sich bei genauerer Untersuchung als immateriell. Eine Substanz „Materie“ ließ sich de  facto nie finden. Durchsichtigkeit ist daher ein wichtiges Merkmal meiner Technik. Meine Bilder sind oft „durchsichtige Versionen alter Meister“. Ich evoziere die kulturellen Marker des Barocks – perfekte Oberflächen, das Repräsentieren nach Außen – als Metaphern der Jetzt-Zeit. Jedoch löse ich die dargestellten Personen in flüssigen Farbverläufen auf. Es entstehen durchscheinende Negativbilder. Perfekte Oberflächen zerfließen und werden transformiert auf der Suche nach einer scheinbaren Essenz. Was dabei sichtbar wird, ist die Zerbrechlichkeit der äußeren Erscheinungen sowie auch eine innere Verletzlichkeit der Subjekte. Vielleicht liegt die Essenz in eben ihrer Auflösung.

SOPHIE VON STILLFRIED

*1974 in München.
Lebt und arbeitet in Leipzig.
1998-2005 Studium der Malerei und Meisterschülerin bei Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.
2005-2007 Meisterschülerstipendium des Landes Sachsen,
2007 Meisterprüfung bei Neo Rauch.
Viele Gruppen- und Einzelausstellungen.

In den bodenlos zurückgezogenen Zeiten während der Hochzeit der Pandemie und speziell in harten Lock-Downs, entwickelte sich bei mir ein eher leises, introvertiertes, fast autistisches Arbeiten. Da schien mir das in sich gekehrte und träumerische Zeichnen auf kleinformatigem Papier passend. Keinerlei Ausstellungen in Aussicht und offener Ausgang auf ein Ende der Situation nahm mir die Lust am großen Tafelbild, und mir war nicht nach ausladenden Gesten. Den verschwenderischen Ausdruck fand ich dann in der Auswahl knalliger Farben als auch in der Verwendung von zartem Bundstift und Aquarell sowie dem trotzigen Mixedmedia mit Lackstift, Filzstift, Acryl und Kugelschreiber. Oder auch Collagen mit farbiger Klebefolie und buntem Elektroisolierband.
Im kleinen unakademischen Experimentierfeld fand ich nicht nur Zerstreuung und Unterhaltung, sondern überraschte mich selbst durch eine zwanglose Befreiung in meiner Arbeitsweise und ermöglichte mir, der isolierten Tristesse zu entfliehen.

ALEX TENNIGKEIT

*1976 in Heilbronn, lebt und arbeitet in Berlin.
1996-20002 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Silvia Bächli und bei Andreas Slominski,
bei ihm 2001-02 Meisterschülerin.
2003-2004 Förderung durch die Columbus Art Foundation, Frankfurt am Main.
Auszeichnungen und Ausstellungen im In- und Ausland sowie kuratorische Tätigkeit.
Gründungsmitglied des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig.
Seit 2020 aktiv im internationalen Aambulanz-Kollektiv.

Für mich erwies sich die Pandemiezeit als „fruchtbar“, da sie mir wegen der eingestellten Ausstellungstätigkeit mehr Möglichkeiten zum Experimentieren ließ. Beispielsweise kam ich darauf, verformtes, geknittertes Kupferblech wie Papier zu bearbeiten, siehe „Dance of Death for Chimpanzees & for Cats“. Außerdem habe ich meine Malerei auf Ausschnitten weitergetrieben, wie im komplexen „Der Tod und der Keimling“-Cut-Out, und hin zu maschinellen Metallausschnitten erweitert, siehe „Parrots Dance of Death“. Die Arbeiten können frei im Raum aufgestellt werden. In meiner fortgeführten Serie von Selbstportraits ist „Lady Nausea“ als Reaktion auf die Lock-Down-Situation entstanden, die in mir des Öfteren Unwillen bis Übelkeit ausgelöst hat.

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