202. Ausstellung | 19. April bis 25. Mai




Vernissage: 19.04.13, Freitag, 19.00 Uhr
Finissage: 25.05.13, Samstag, 15.00 Uhr

 

Die Inselgalerie, vor 20 Jahren als Künstlerinnengalerie gegründet, fühlt sich der zeitgenössischen Kunst von Frauen verpflichtet. Sie versucht, Künstlerinnen Respekt und Chancengleichheit gegenüber ihren männlichen Kollegen durch beispielhafte Ausstellungen zu verschaffen.
Sie hat immer auch Gedenkausstellungen gemacht, um vergessene Künstlerinnen wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken,deren Start durch Krieg und Nachkrieg ungleich schwerer war, als es den Nachgeborenen scheinen mag.
Aber noch nie war die Herausforderung so groß, Frauen, deren Lebensweg im 19. Jahrhundert begann, die oft schwere Schicksale erleiden mussten, in diesem Umfang zu präsentieren. Ohne zunächst das Berliner Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ im Blick zu haben, begannen vor einem Jahr drei Frauen, die der Inselgalerie verbunden sind, sich vergessenen Künstlerinnen zu nähern. Die jetzige Ausstellung will acht Künstlerinnen wieder ins Licht rücken; es hätten auch doppelt so viele werden können, wenn wir uns nicht, die Galerie mit vier Räumen im Blick und die kurze Recherchezeit im Rücken, Beschränkung auferlegen mussten.

Unter dem Titel »WIEDER IM LICHT   geehrt – ausgegrenzt – wiederentdeckt« stellen wir Kate Diehn-Bitt, Oda Hardt-Rösler, Käthe Loewenthal, Käthe Münzer-Neumann, Lene Schneider-Kainer, Hedwig Woermann, Julie Wolfthorn, Augusta von Zitzewitz mit jeweils einer kleinen Kollektion vor. Wir konnten nicht aus einem großen Gesamtwerk auswählen, sondern mussten die Arbeiten aufnehmen, die die Zeitläufe mit Verfolgung durch die Nationalsozialisten und Krieg überdauert haben.
Es war eine große Recherchearbeit nötig und die unermüdliche Suche Einzelner, um die Werke dieser Frauen nicht nur mit einem Beleg zu dokumentieren, sondern oft durch einzelne Quellen so viel zusammenzutragen, dass ein Einblick in die Qualität des jeweiligen Schaffens zustande kam. Zuletzt war es ein Rennen gegen die uns verbliebene Zeit, denn die Hinweise, denen wir gar nicht mehr nachkommen konnten, häuften sich.
Der Auftakt wurde uns erleichtert durch die reichhaltigen Vorarbeiten des Julie-Wolfthorn-Freundeskreises, der seit 15 Jahren dazu beiträgt, die einst sehr bekannten und vielfach geehrten Malerinnen und Grafikerinnen dem Vergessen zu entreißen und Biografien und Lebenswerke zu sichern.

Die Künstlerinnen unserer Ausstellung, die Ende des 19. Jahrhunderts geboren wurden, wuchsen in ein Jahrhundert hinein, das ihren Lebensweg und ihre künstlerische Entwicklung durch zwei Weltkriege und den Nationalsozialismus erschwerte und erstickte. Erst nach dem Ersten Weltkrieg war ihnen offiziell eine künstlerische Ausbildung möglich. Davor konnten sie sich lediglich über private Malschulen oder bei einzelnen Künstlern ihr Rüstzeug holen.
Ihre Hauptschaffenszeit – die 1920er und 1930er Jahre – wurde nach anfänglichem Aufbruch in fast allen Fällen abrupt beendet. Sechs von den acht hier vorgestellten Künstlerinnen hatten einen jüdischen Hintergrund. Soweit sie mit ihrer künstlerischen Prägung zur Avantgarde zählten, waren sie damit zusätzlich gefährdet. Einigen von ihnen gelang im Exil auch künstlerisch ein Überleben, zwei wurden in Lagern ermordet. Die in Deutschland Verbliebenen konnten sich künstlerisch kaum weiterentwickeln, es fehlten Wirkungsräume, gesellschaftliche Toleranz und Anerkennung. Oft arbeiteten sie zurückgezogen weiter.

Im Westen und im Osten Deutschlands wurde durch Implantierung fremder Kunstrichtungen eine Rückbesinnung auf eigene Traditionen und eine Wiedergutmachung an den Verfemten verhindert. Dadurch wurden die ehemals geehrten Künstlerinnen ins Vergessen gedrängt.
Erst Ende der 1970er Jahre wenden sich Kunstgeschichte und Kunstbetrieb dem Kapitel der Verschollenen Generation in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts zu. Erste Untersuchungen und Sichtung verbliebener Bestände und Nachlässe beginnen. Besonders bei den Künstlerinnen klaffen noch Lücken – mit unserer Ausstellung holen wir viele seit Jahrzehnten verborgene Werke ans Licht. Oft können wir nicht einmal gesicherte Daten zum Lebensweg der Künstlerinnen präsentieren. Wir hoffen, mit dem Fortschreiten der Forschungen den Faden in einer zweiten Ausstellung wieder aufnehmen zu können.

Ilse-Maria Dorfstecher, Gabriela Ivan, Sabine Krusen

 

^nach oben (oder auf die Bilder klicken für die Künstlerinnen)


Kate Diehn-Bitt | Oda Hardt-Rösler | Käthe Loewenthal | Käthe Münzer-Neumann | Lene Schneider-Kainer | Hedwig Woermann | Julie Wolfthorn | Augusta von Zitzewitz (v.l.n.r.)
 


Wir danken für Leihgaben, Anregungen und Unterstützung:

• Wolfgang Arndt, Berlin
• Katrin Arrieta, Rostock
• Dietrich Becker, Bastorf/Mecklenburg
• Karla Bilang, Berlin
• Gabriele und Jürgen Friedrich, Emden, Lebenswerk Käthe Loewenthal e. V.
• Siegfried Grauwinkel, Kleinmachnow
• Anka Kröhnke, Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke, Kühlungsborn
• Sabine Krusen und Julie-Wolfthorn-Freundeskreis, Berlin
• Hartmut Pätzke, Berlin
• Gabi Raskop, Galerie im Kloster des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten e. V., Landkreis Vorpommern-Rügen
• Ursula Rohloff, Berlin
• Wolf Ritscher, Unterreichenbach, Lebenswerk Käthe Loewenthal e. V.
• Ursel Sikora, Berlin
• Anette von Zitzewitz, Berlin